Warum Jungenarbeit ?

Wann ist ein Mann ein Mann?

Herbert Grönemeyer

Ich bin um so männlicher,
je weniger Schlaf ich brauche,
je mehr Schmerzen ich aushalte,
je mehr Alkohol ich vertrage,
je weniger ich mich darum kümmere, was ich esse,
je seltener ich andere um Hilfe bitten muss,
je mehr ich meine Gefühle unter Kontrolle habe,
je weniger ich auf meinen Körper achte.

Herb Goldberg

Traditionelle Rollenbilder des Mannseins sind im Umbruch, die Frauenbewegung hat für sich neue Wege gefunden, Lebensentwürfe werden individueller, der Alleinverdiener hat zunehmend Schwierigkeiten die Familie wirklich allein zu ernähren. Ein gesellschaftlicher Wandel zwingt zum Umdenken. Männer haben zugeschaut, wie Frauen selbständiger wurden. „Neue Männer braucht das Land“, haben die Frauen gefordert. Er soll emphatisch sein, ein liebevoller Partner, sich gleichwertig um die Familie kümmern, sensibel für die Umwelt, Ernährung und soziale Belange. Er soll tolerant gegenüber der sexuellen Orientierung sein, und Gewalt als Mittel der Konfliktlösung ablehnen. Gleichzeitig bleiben die Anforderungen durch den Job und der Gesellschaft hinsichtlich der Erfüllung der bisherigen Aufgaben bestehen. Echte Vorbilder sind rar, da hat sich scheinbar wenig bewegt, bei den Männern. Ist es Überforderung? Warum wird das "Weibliche" abgewertet und sich von allen weiblichen Seiten distanziert. Jungen spüren, dass es angesagt ist, cool zu sein und eine große Klappe zu haben. Aber wo bleiben die eigenen Bedürfnisse und Interessen, um eine eigenständige Persönlichkeit entwickeln zu können? Aus der Hilflosigkeit und Ohnmacht, wird Gewalt gegen sich selbst oder gegen andere, Jungen scheitern in der Schule, oder werden rechtsradikal, sie scheren aus und machen Probleme.

Die für die Erziehung verantwortlichen Personen im Leben eines Jungen sind meist weiblich. Mit gutem Vorsatz wollen Mütter und Erziehrinnen die Jungen zu "neuen Männern" erziehen, dabei weisen sie die Jungen stärker zurecht, als die Mädchen. Ihr Argument ist, das traditionell männliche Rollenbild transformieren zu wollen. Während Mädchen mehr unterstützt werden, bekommen die Jungen ständig das Gefühl, zwischen dem Ist und dem Soll-Zustand eine Diskrepanz wahrzunehmen, der sie nicht gerecht werden können. Jungen haben heute wesentlich mehr Entwicklungsprobleme, als die Mädchen. Und wenn sie sich mal trauen, ihre "andere" Seite zu zeigen, werden sie von Gleichaltrigen schnell als schwul abgestempelt, und damit angeblich "kein richtiger Junge" zu sein. Mit wem soll ein Junge reden, wem kann er sich anvertrauen? Die gleichaltrigen Jungen scheiden aus, die Mutter ist zu ideologisch, die Mädchen würden sich anbieten, aber dann verschwimmt seine männliche Rolle, er würde zu einem guten Freund, statt begehrenswerten Partner. Schließlich bleibt der Vater, der ist aber meist nicht da, oder zu erschöpft und nicht zugänglich.

Mit der Jungenarbeit bieten wir einen geschützten Raum. Jungen erleben Männer, die ihnen die Möglichkeit bieten, die unterschiedlichsten Rollen auszuprobieren: sie werden aufgefangen, wenn sie weich sind, sie werden damit konfrontiert, wenn sie zu hart sind, sie können laut sein und leise, wild und sanft, fordernd und ruhig. Hier lernen Jungen sich auszudrücken, üben soziale Kompetenz und gewaltfreie Konfliktlösungen, entwickeln individuelle Stärken. Wenn Jungen sich akzeptiert fühlen, gehört und verstanden werden und eine Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten erfahren können, dann müssen sie ihre notwendigen Grenzerfahrungen nicht bis zu einem selbstgefährdenden Grad ausreizen. In diesem Sinne zielt diese Arbeit auf Drogen- und Gewaltprävention, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortung für unsere Umwelt und einen wirklichen Wandel zum „neuen Mann“.

Was Männer wollen können, muss man Männern überlassen!

Mathias Wais

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